Die ersten 100 Tage
Geschrieben von: Administrator Montag, den 28. November 2011 um 12:23 Uhr
Eigentlich, wollte ich einen Zwischenbericht über den bisherigen Verlauf der Hallenmeisterschaft schreiben.
Es hätte ein schönes Fußballwochenende werden sollen, meine Jungs haben mit Bergedorf gewonnen, HSV und Pauli waren erfolgreich und unsere SCVM 99er haben wieder 9 Punkte geholt.
Nach dem Sonnabend Turnier der 99er, fuhr ich mit 3 zufriedenen Spielern im Auto nach Hause. Es war ein Fußballturnier nach meinem Geschmack, die Spieler machten sich konzentriert warm, spielten schönen Fußball und ich konnte erkennen, dass das verlangte und im Training gelernte umgesetzt wird. Anweisungen von mir, beschränken sich auf einige Teilbereiche, wo man Fehler erkennt und dort den Feinschliff vornehmen kann.
Nachdem ich um 20:00 Uhr Zuhause war, die Trikots gewaschen habe, die neuen Trikots für Sonntag gepackt hatte, den Wecker auf 7:00 Uhr gestellt hatte, konnte ich endlich meine Kinder fragen,: und wie war es bei Euch?“
Mir fällt es nicht schwer, am Sonntagmorgen aufzustehen, wenn ich Spaß an einer Aufgabe habe. So sollte es den Sportlern selber aber auch gehen, sonst können wir uns das ersparen.
Während die anderen Mannschaften sich schon mit Freude aufwärmten, wartete ich noch auf die Spieler. Das einkleiden der Spieler dauert unendlich lange und jeder Schritt musste von Olaf und mir kommentiert werden. Ich glaube nicht, dass die Spieler sportgerecht um 22:00 Uhr im Bett waren, die meisten empfanden keine Vorfreude, sondern hatten ganz andere Probleme zu besprechen, es wird sich um alles Mögliche gekümmert aber nicht um Fußball.
Wie Olaf sagt:“es ist keine Körperspannung in den Spielern.“
Leider ist bei dieser Mannschaft auch kein Führungsspieler auszumachen, so das selbst das warmmachen nicht selbstständig funktioniert. Schon beim Aufwärmen müssen wir die Spieler zum Laufen anhalten, keiner strahlt Freude über den Ball aus, die konditionellen Schwächen sind da schon auffällig und die Konzentration sinkt nach wenigen ungenauen Pässen.
Bei der Vorbesprechung, verlangte ich nicht viel. Lediglich 2 Punkte setzte ich heute als Ziel, man muss erreichbare Ziele setzen. Mit 2 Punkten habe ich die Mannschaft sicher noch nicht unter Druck gesetzt, nur falls jemand dieses Argument bringen möchte.
Das erste Spiel sah noch ganz gut aus und zu Recht lobte Hannes sein Opa unser Spiel. Lediglich ein individueller Fehler brachte das Gegentor. Genau solche Fehler, sind aber einfach für uns Trainer anzusprechen und direkt darauf einzugehen. Aus solchen Fehlern kann man lernen aber man muss es dann auch wollen. Das 0:1 war schade aber nicht schlimm.
Nachdem ich mir nun ca. 100 Tage ein Bild von den 2000ern gemacht habe, Rücksicht genommen habe, sie nicht unter Druck gesetzt habe, nicht laut war, nichts gefordert habe und mir auch die letzte Hallenrunde in Ruhe und ohne Kritik angesehen habe und mich für meine Zurückhaltung schon rechtfertigen musste und mir schon mangelndes Engagement vorgeworfen wurde, war jetzt der Zeitpunkt, Fehler offensiv anzusprechen.
Wenn ich in der Vergangenheit, den schlechten Leistungsstand der 2000er, auf die schlechte Trainersituation geschoben habe, muss ich mich nun fragen, „was habe ich in 100 Tagen verbessert“?
Wir haben 30 gemeinsame Trainingseinheiten beschritten, leider hat der einzelne Spieler, meistens nur an der Hälfte teilgenommen. Dass das Training sehr gut ist und auf hohem Niveau stattfindet und dass man sich stark verbessern kann, beweisen die 99er.
Ich hatte in vorigen Berichten, schon das mangelnde Interesse, die fehlende Konzentration, die fehlende Laufbereitschaft, die fehlende Einsicht für das Training angesprochen. Es ist den Spielern nicht bewusst, dass man sich im Training die Kondition und technischen Grundlagen für das Spiel holt. Schon vor dem Trainingsbeginn wird über Trinkpausen und Abschlußspiel gesprochen, Übungen werden zerredet und Regeln werden verändert, es wird sich gestritten um einen Einwurf, aber den Sinn der Aufgabe erkennt keiner. Nebensächlichkeiten haben eine zu große Bedeutung und keiner kann sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Wir Trainer zeigen Euch den Weg und die Lösung, trainieren und üben müsst Ihr selber!
Niemand kann dauerhaft von außen motiviert werden.
Die Einstellung zu Spiel und Training, ist wie ins Kino zu gehen. Ihr seid für unsere Unterhaltung zuständig. So funktioniert Fußball aber nicht.
So war es auch keine Überraschung, dass die nächsten 3 Spiele auch verloren wurden. Beim Fußball muss man selber laufen, kämpfen, Pässe spielen und den Kopf benutzen, „Fußball fängt im Kopf an“. Die Gegner sind genauso kleine Jungs wie ihr, die schenken Euch keine Bälle und wir Trainer können nicht mit auf das Feld. Ich bin es auch Leid, von außen jeden Schritt zu kommentieren und zu jedem Lauf zu motivieren.
Die Fehler wurden an diesem Sonntag persönlich angesprochenen. Nur wer Fehler erkennt, kann diese auch ändern.
Ich möchte von jedem Spieler einen Zettel, mit 3 persönlichen Fehlern erhalten, die er in den nächsten Wochen abstellen wird. (Das betrifft die gesamte Mannschaft, auch die 99er)
Ich habe auf mangelndes Zweikampfverhalten hingewiesen, fehlerhafte Pässe, mangelndes Linksfuß verhalten, Fehler beim Freilaufen, Vorwärts oder Rückwärtsbewegung, 1-1 Abwehrverhalten und sportliche Fairness. Jeder Spieler hat seine persönlichen Stärken und Schwächen aufgezeigt bekommen. Es ist die Aufgabe der Trainer Fehlverhalten anzusprechen.
Wenn sich ein Spieler unsportlich verhält, wird auch dieses angesprochen. Der Spieler fällt seit Anfang an als besonders unsportlich auf. Bei Paarübungen ist er der letzte der einen Partner findet, eigenes Fehlverhalten wird immer auf Ander abgeschoben, Fehler bei andern Spielern werden immer klar erkannt(auch vom Vater), eigene Fehler werden nie zugegeben. Mit ihm möchte keiner spielen, da er immer die Andern anmeckert und gegen ihn mag auch keiner spielen, da er durch unsportliche Fouls auch gegen eigene Spieler im Training auffällt. Wie gesagt, seit 100 Tagen beobachten wir diesen Zustand. Alle 3 Trainer haben dem Spieler schon auf sein Fehlverhalten hingewiesen, geändert hat sich nichts. Heute war der Tag, der deutlichen Worte und ich habe gesagt, „du bist der unfairste Spieler, den ich bisher hatte.“ Er war wieder einmal durch Schwalben, Schauspiel und böswilliges Nachträten aufgefallen. Wenn andere Mannschaften das machen, wird von der Elternschaft gefordert, „Trainer siehst du das nicht, da musst du was sagen, nimm Den runter, erziehe den Spieler!“ Das gleiche Maß muss man aber auch an seine eigenen Spieler legen. Die Gegner sind ebenfalls kleine Menschen, die geschützt werden wollen und nur Spaß haben wollen. Wenn sie besser sind, weil sie besser trainieren, darf man sie aus Frust trotzdem nicht von hinten treten. Eine Diskussion mit dem Schiedsrichter verbiete ich mir ebenfalls. In einem Mannschaftssport soll man auch Werte vermitteln, wenn ich einem Spieler dieses unsportliche verhalten gestatte, macht das bald die ganze Mannschaft. Ich will solch Fehlverhalten nicht in meiner Mannschaft haben, es schadet der Mannschaft, dem Ansehen von Trainern und Verein. Wenn die Eltern es 10 Jahre versäumt haben sportliche Werte und soziales Verhalten zu vermitteln, bin ich leider in der Situation dieses ansprechen zu „müssen“. Es bringt keinen Spaß, kleinen Menschen ihre Fehler aufzuzeigen, deswegen stehe ich nicht am Sonntagmorgen auf, aber man kann nicht alles totschweigen. Es ist dann von den Eltern aber völlig unangebracht, mir den Mund zu verbieten. Ein einfaches Danke, vielleicht ist das seine letzte Chance ihn auf den richtigen Weg zu bringen, hätte es auch getan.
Vergesst nicht, Eure Zettel mit der Aufgabe, ohne gibt es keine Einladung mehr.
Gruß Wolfgang Wegner
PS: und bitte nicht, sie wollen doch nur Spaß haben, dann erwarte ich einen Bericht über:“ Was ist Spaß“.

